Corona-Interview mit Dr. Ingolf Neunübel

Dr. Ingolf Neunübel

Im heutigen Interview unserer Corona-Reihe unterhalten wir uns mit Public-Relations-Experte Dr. Ingolf Neunübel über die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf seine tägliche Arbeit.

Was haben Sie persönlich aus der Corona-Krise gelernt?

Dr. Ingolf Neunübel: Für mich kam das Ganze nicht so überraschend. Irgendwie hatte ich schon immer die Ahnung, dass die Globalisierung nicht nur Vorteile mit sich bringt, sondern auch nicht zu unterschätzende Risiken. Vor diesem Hintergrund habe ich mich um eine sachliche Bewertung der Vorgänge bemüht. Emotionalität ist hier der falsche Ratgeber, auch wenn die Erregung oder gar Verzweiflung vieler Menschen ob der Folgen der Pandemie verständlich ist.

Wie bewerten Sie den sich immer mehr verstärkenden Trend zum Homeoffice?

Dr. Ingolf Neunübel: Als Solo-Selbständiger war das für mich gar kein Thema. Ich habe schon immer die meiste Arbeitszeit im Homeoffice verbracht, sodass ich mit den zusätzlichen Erscheinungen durch Corona gut zurechtkomme. Ich glaube, das Homeoffice wird sich weiter ausbreiten, selbst nach der Corona-Krise. So wie ich erkennen immer mehr Menschen die Vorteile. Nachteilig war allerdings die Beschränkung auf das Homeoffice, denn der Wegfall aller persönlicher Begegnungen erschwerte natürlich die Arbeit.

Sie sprechen ein wichtiges Thema an, die Kommunikation. Welche Rolle spielt sie Ihrer Meinung nach in Zeiten wie der jetzigen?

Dr. Ingolf Neunübel: Vieles, was bis Corona selbstverständlich war, dann aber plötzlich nicht mehr in demselben Maße genutzt werden konnte, offenbarte die Bedeutung von Kommunikation. Der Satz „Wer nicht kommuniziert, findet nicht statt“ hat in den vergangenen Monaten eine neue Dimension erhalten. Vielerorts konnte nicht in gewohnter Weise kommuniziert werden, was sich unmittelbar auf die unternehmerische Tätigkeit auswirkte.

Zwar standen die technischen Möglichkeiten immer noch zur Verfügung, aber Technik allein ist nicht die Lösung. Mindestens genauso wichtig – ich bin sogar der Meinung, es ist noch wichtiger – ist die persönliche Ebene: sich in die Augen schauen, Empfindungen wahrnehmen, Reaktionen zeigen, Mimik, Stimme, Gestik – alles zusammen ist notwendig, um richtige Schlussfolgerungen für sich selbst zu ziehen.

Was halten Sie von der Reaktion der Politik auf die Corona-Krise?

Dr. Ingolf Neunübel: Im Großen und Ganzen hat die Politik die richtigen Antworten gegeben und gibt sie auch weiterhin. Das ist alles andere als selbstverständlich, denn wir haben Neuland betreten. Niemand konnte und kann vorhersagen, welche weiteren Veränderungen Corona für uns bereithält. Die Erwartungen an die Politik sind hoch, doch wir müssen immer bedenken, dass auch hier keine Erfahrungen vorliegen.

Mark Twain hat einmal gesagt „Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.“ Hinterher sind wir alle schlauer. Das ist keine Kunst. Die wahre Kunst ist es, die Entwicklung so weit wie möglich zu antizipieren und die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Das haben unsere Politiker bisher ganz gut geschafft.

Was geben Sie jungen Unternehmern und Gründern unter den aktuellen Bedingungen mit auf den Weg?

Dr. Ingolf Neunübel: Das Erste, was allen schon bekannt ist, das aber immer wieder betont werden muss, ist der Umstand, dass Entwicklung immerzu stattfindet. Das heißt, nichts hat ewig Bestand und die Erwartung neuer unvorhergesehener Vorgänge ist eine Art Erfolgsversicherung. Wer Bestehendes als unveränderlich betrachtet, wird eines Tages nicht mehr mit der Zeit gehen können.

Stillstand heißt Rückstand und Rückstand führt früher oder später zur Niederlage. Wenn diese Haltung ausgeprägt ist, lassen sich Hindernisse und Schwierigkeiten viel besser bewältigen. Deshalb habe ich immer mit Veränderungen gerechnet. Wer heute Unternehmer werden will, muss genau diese Grundeinstellung mitbringen. Alles andere lässt sich erlernen.

Welche Erwartungen haben Sie an die Zukunft? Sind Sie eher optimistisch oder doch mehr pessimistisch?

Dr. Ingolf Neunübel: Grundsätzlich glaube ich daran, dass die Menschheit auch diese Phase meistert. In ihrer gesamten Geschichte hatte sie immer mit Krankheiten zu kämpfen, denen deutlich mehr zum Opfer fielen als in allen bisherigen Kriegen zusammen. Das versuche ich mir immer wieder vor Augen zu halten. Ich bin also optimistisch, aber nicht sorglos.

Sorgen habe ich vor allem dahingehend, dass die Probleme sich derzeit weltweit in einem Maße anhäufen wie nie zuvor. Anstelle weltweiter Solidarität greifen immer mehr nationale Egoismen um sich. Wenn wir das nicht in den Griff bekommen, dürfte es eine schwierige Zukunft werden.

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