Corona-Interview mit Robert Franzke von CORMES

Robert Franzke

Robert Franzke ist Head of SEA bei der Full-Service-Online-Marketing-Agentur CORMES. Im Interview mit seosupport erklärt er, wie sich die Covid-19-Pandemie auf Prozesse und Strukturen in seinem Unternehmen ausgewirkt hat und welche künftigen Entwicklungen er in den Bereichen Digitalisierung, Arbeitsleben und Gesellschaft erwartet.

Was sind Ihre persönlichen Erkenntnisse aus der Krise?

Robert Franzke: Die letzten Monate haben uns gezeigt: Gut strukturierte Prozesse sind so wichtig wie nie. Homeoffice ist vor allem in der Digitalbranche sehr gut umsetzbar, gleichzeitig ist es umso wichtiger, dass Verantwortlichkeiten und Aufgaben klar verteilt werden. Jeder sollte den Blick für das große Ganze bewahren, damit einzelne Aufgaben nicht unbemerkt unter den Tisch fallen.

Auch eindeutige und verbindliche Absprachen sind unabdingbar. Während man den aktuellen Stand von Projekten sonst immer direkt im Büro mitbekommen hat, muss man sich nun mehr denn je darauf verlassen können, dass alles seinen geordneten Gang geht. Ansonsten gilt wie eigentlich immer: Auf die richtige Kommunikation kommt es an!

Was ist Ihr Erfolgsrezept für die schwierigen Zeiten?

Robert Franzke: Das Team sollte bei jedem guten Unternehmen in einer schwierigen Lage an erster Stelle stehen. Konkret sorgen wir dafür, dass sich niemand allein gelassen fühlt, und sind bei unseren Entscheidungen transparent. Bedeutende Zutaten unseres Erfolgsrezepts sind somit die Zufriedenheit der MitarbeiterInnen sowie die Motivation im Team. Dazu kommen aber natürlich auch die ökonomischen Faktoren, also wirtschaftliches Geschick.

Zu guter Letzt sind detaillierte und durchdachte Business- und Liquiditätsplanungen entscheidend, um in der aktuellen Situation Stabilität und Sicherheit zu garantieren. Das hat bei uns sehr gut funktioniert.

Wie managen Sie die Bindung zwischen Ihnen und Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern?

Robert Franzke: Ein enger Austausch mit jedem einzelnen Mitarbeiter und jeder einzelnen Mitarbeiterin ist elementar. Ehrliche und transparente Kommunikation ist auch hier das A und O. Da durch die Homeoffice-Situation der Großteil des Teams nicht zentral am Arbeitsplatz ist, kommt es darauf an, auch auf die persönliche Situation jedes oder jeder Einzelnen Rücksicht zu nehmen. Manche Kolleginnen oder Kollegen haben Kinder, die aktuell nicht oder nur eingeschränkt im Kindergarten oder in der Schule betreut werden. Zum Teil ist hier Flexibilität nötig, um jedes Hindernis aus dem Weg zu räumen.

Auch wenn viele Routinen und Abläufe der neuen Situation angepasst werden, legen wir großen Wert darauf, etablierte Formate und Strukturen beizubehalten. Regelmäßige Meetings bleiben somit bestehen, finden nun jedoch per Videotelefonie statt. Diese vertrauten Abläufe erlauben es, weiterhin produktiv zu bleiben.

Was bedeutet die Corona-Krise für Ihre Branche?

Robert Franzke: In der Agenturbranche ist das eigene Geschäftsmodell stets genauso stabil wie das der Kunden. Gerät ein Kunde in eine wirtschaftliche Schieflage, bekommen wir das zu spüren. Leider sind Marketing-Ausgaben in vielen Unternehmen ein Bereich, in dem zuerst gespart wird. Die wenigsten Firmen tun sich damit einen Gefallen, denn wenn die Krise erst einmal überwunden ist, wollen sie ja schließlich nicht aus dem Bewusstsein ihrer Zielgruppe verschwunden sein. Für uns bedeutet das im Umkehrschluss, dass wir für mehr Stabilität im Geschäft einen diversifizierten Kundenstamm aufweisen müssen.

Hat die Politik richtig auf die Krise reagiert?

Robert Franzke: Im Rahmen ihrer Möglichkeiten hat die Bundesregierung gut reagiert. Die staatlichen Hilfsmaßnahmen konnten schnell und unbürokratisch beantragt werden und kamen sehr schnell bei den Unternehmen an. Dies reduziert Unsicherheit – eine der wesentlichen Aufgaben einer Regierung für die Wirtschaft.

Allgemein würde ich mir wünschen, dass die Krise gleichzeitig auch in Regierungskreisen als Chance gesehen wird, nicht nur beispielsweise die Digitalisierung, sondern auch andere Themen wie Nachhaltigkeit oder Umweltschutz voranzutreiben.

Wie wird das Corona-Virus die weitere Entwicklung Ihres Unternehmens beeinflussen?

Robert Franzke: Für 2020 hatten wir uns bei CORMES ambitionierte Wachstumsziele gesteckt. Auch wenn die Situation mittlerweile stabil ist und sich die wirtschaftliche Lage wieder deutlich beruhigt hat, ist klar: Das Wachstum wird in diesem Jahr deutlich kleiner ausfallen als erhofft.

Haben Sie Ihr Angebot, Ihren Vertrieb oder Ihr Geschäftsmodell angepasst?

Robert Franzke: Wie bereits angesprochen werden wir in Zukunft unsere Kundenbasis so divers wie möglich halten. Wir hatten in der Krise das Glück, dass CORMES bereits sehr breit aufgestellt ist. Neben der Online-Marketing-Beratung gehört zu uns eine weitere Unit, die verschiedene Social-Media-Projekte betreut. Hätten wir nicht diese bequeme Ausgangslage gehabt, würde ich spätestens jetzt sagen: Ein krisensicheres Geschäftsmodell sollte im besten Falle mehrere Einkommensstränge beinhalten.

Wie sehen Sie die Nutzung der Technologie in diesen Zeiten? Stichwort Digitalisierung?

Robert Franzke: Ohne die Nutzung von digitalen Technologien wäre ein dezentrales Arbeiten aus dem Homeoffice nicht möglich. Der technologische Einsatz umfasst sämtliche Prozesse des täglichen Arbeitens, sei es die Kommunikation, Dokumentenablage oder Verwaltung von Aufgaben.

Welche Folgen hat dauerhaftes Homeoffice für Ihr Unternehmen?

Robert Franzke: Zu den positiven Aspekten gehört sicherlich die Bequemlichkeit. Wir sparen uns viel Zeit und Stress, wenn der Weg ins Büro morgens und abends wegfällt. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist zudem sicherlich die geringere Flächenauslastung der Büroräume ein Thema. Gerade bei einem wachsenden Unternehmen in einer Stadt wie Berlin, wo Büroflächen knapp und teuer sind, ist es ein nicht zu unterschätzender Faktor: Mehrere MitarbeiterInnen können sich einen Schreibtisch teilen und abwechselnd nutzen.

Für ein dauerhaftes Homeoffice sehe ich jedoch auch einige negative Effekte: Abstimmungsprozesse werden teilweise verlangsamt, es kommt schneller zu Missverständnissen und ein persönlicher Austausch ist aufwändiger. Vor allem ein kreatives Zusammenarbeiten wird erschwert.

Ein richtiges „Wir-Gefühl“ kommt so richtig erst im persönlichen Austausch auf. Das kurze Gespräch mit dem Sitznachbarn und der kurze Plausch an der Kaffeemaschine machen etwas mit dem Team. In einem dauerhaften Homeoffice würden diese Synergien wegfallen.

Gab es einen Moment nach dem Lockdown, über den Sie sich besonders gefreut haben?

Robert Franzke: Bei CORMES sind Kollegen und Kolleginnen nicht nur MitstreiterInnen bei Projekten im Job. Wir sind uns gegenseitig sehr verbunden – das erste Bier im Team hat daher ganz besonders gut geschmeckt!

Wie ist Ihr Blick in die Zukunft? Haben oder hatten Sie Existenzangst?

Robert Franzke: Grundsätzlich hatte und habe ich keine Existenzängste. Ich kann auf unser Team und unsere stabile unternehmerische Ausgangslage vertrauen. Falls es doch mal etwas enger wird, weiß ich um unsere Flexibilität und Kreativität, mit der wir Wege aus der Krise finden werden. Bei mir überwiegt eher die Spannung und Neugier auf das, was aus der Krise erwächst – wirtschaftlich wie gesellschaftlich.


Über den Autor:

Robert Franzke ist Head of SEA bei der cormes GmbH. Gemeinsam mit Florian Kiel, Head of Performance, leitet er die Beratung der Online-Marketing-Agentur. Seine Schwerpunkte sind Suchmaschinenwerbung und Webanalytics.

Über CORMES (www.cormes.de):

CORMES ist eine Online-Marketing-Agentur und Medien-Accelerator aus Berlin. Seit fast zwanzig Jahren verhilft das Unternehmen anderen Marken zu mehr Wachstum und Sichtbarkeit im Internet. Neben der klassischen Performance-Marketing-Beratung gehören auch weitere Projekte als eigenständige Units zu dem Netzwerk. Mit den Social-Media-Experten der HAPPYGANG, einer E-Commerce-Unit, sowie dem Online-Projekt www.klatsch-tratsch.de bietet es zunehmend weitere Services an, die über das klassische Online-Marketing-Geschäft hinausgehen. Die Geschäftsführer des Unternehmens sind Christof Szwarc und Cengiz Kurt.

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