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TRANSKRIPT: Trust & Sell by Vincent Sünderhauf Sonderfolge: 20 Jahre seosupport
Interviewt wird: Vincent Sünderhauf, Gründer & Geschäftsführer seosupport
EINFÜHRUNG
Ferdinand: Heute einmal eine andere Stimme. Vincent sitzt mir gegenüber, nicht andersrum. Thema heute: 20 Jahre seosupport. Wir wollen uns wirklich die Learnings rausziehen aus 20 Jahren Unternehmertum. Vincent, stell dich mal vor und fang gerne mal mit dem Anfang an.
GRÜNDUNG MIT 19: DER ERSTE SCHRITT
Vincent: Ich habe 2006 gegründet, während des Abiturs. Ich habe einen Artikel in der Wirtschaftswoche gelesen: Trend Suchmaschinenoptimierung USA. Mein Grundgedanke war: Entweder wirst du Unternehmer oder du studierst Jura und wirst Anwalt. Ich wollte immer frei sein, selbstbestimmt. Und ich wusste damals schon, dass Geld das Mittel zur Freiheit ist und dass Unternehmertum bedeutet, nicht als Angestellter im Hamsterrad zu sein.
Also habe ich meinen Kumpel Sebastian, den ich aus der Schulzeit kannte, angesprochen: Komm, lass mal gründen. GbR gegründet, angemeldet an der Wohnanschrift der Eltern von Sebastian. Einen Webdesigner für 100 Euro bezahlt, die Website zu machen. Visitenkarten drucken lassen. Drauf stand: Chief Executive Officer.
Ferdinand: Und im Anzug rumgelaufen?
Vincent: Ja, in der Schulzeit schon im Anzug. Als junger Gründer versuchst du das junge Alter ein bisschen zu überspielen. Im Anzug siehst du älter, senioriger und vertrauenswürdiger aus.
FAMILIE UND BACKGROUND
Ferdinand: Warst du ein guter Schüler? Hattest du früh Ambitionen Richtung Unternehmertum?
Vincent: Ich komme aus einer Akademikerfamilie mütterlicherseits. Meine Großmutter war Rektorin, meine Mutter Sozialpädagogin, meine Schwester ist Psychologin. Alle akademisch. Ich war der erste Unternehmer, der erste ohne abgeschlossenes Studium.
Ich war relativ gut im Fußball, Berliner Meister, Pokalsieger, Berliner Auswahl, Eliteschule des Sports. Aber irgendwann habe ich gemerkt: Für die Regionalliga oder zweite Liga hätte es vielleicht gereicht. Das war nicht mein Anspruch. Also habe ich in der 9. Klasse einen Cut gemacht, bin aufs Gymnasium gewechselt.
Schule? Nie gelernt. Ich habe durch meine Großmutter sehr früh sehr viel Literatur gelesen, Schach gespielt, Tageszeitungen gelesen. Die Welt, Financial Times unter dem Arm. Ich habe polarisiert, war vielleicht nicht der Beliebteste. Aber im Marketing ist das auch wichtig: Du kannst nicht allen gerecht werden.
DER ERSTE KUNDE
Vincent: Der erste Kunde war der Vater eines Kommilitonen von der Uni Potsdam. Auf einer Erstsemester-Dampferfahrt kamen wir ins Gespräch, er machte ein Intro zu seinem Vater, der Parkplätze am Flughafen Schönefeld vermietet hat. Der war jahrelang, 12, 13 Jahre, der erste Kunde und immer noch Kunde.
Er hat angefangen mit 160 Euro im Monat. Dieses Geld ging an einen Freelancer, der SEO gemacht hat. Später haben wir auf 500, 600 Euro erhöht, irgendwann hat er 2.000 Euro im Monat gezahlt.
Das Learning: Geh auf diese Veranstaltungen, auch wenn du keinen Bock hast. Aus einem Gespräch auf einer Dampferfahrt wurde ein Kunde, der über die Jahre einen sechsstelligen Betrag gezahlt hat.
DAS STUDIUM UND DER SPRUNG IN DIE SELBSTSTÄNDIGKEIT
Vincent: Ich habe das Abitur fertig gemacht, 2 Semester Jura studiert, das dann geschmissen. Ich konnte mir gerade mal 2.000 Euro netto auszahlen, was damals viel war. Kosten waren niedriger vor 20 Jahren. Aber die Folge davon ist, dass ich heute ein selbstbestimmtes, freies Leben führen kann.
Wie definiere ich Reichtum? Nicht nur über eine Zahl auf dem Bankkonto. Sondern zum Beispiel, dass ich um 10 Uhr morgens mit meiner Tochter am See spazieren gehen kann. Spontan nach Brasilien fliegen. Gesund sein, regelmäßig ins Fitnessstudio, nicht auf den Anruf eines Chefs warten. Das ist für mich Reichtum.
GBR ZUR GMBH: PROFESSIONALITÄT AUFBAUEN
Ferdinand: Ihr seid dann von der GbR in eine GmbH umfirmiert, obwohl ihr es euch kaum leisten konntet. Warum?
Vincent: Der Mensch ist ein primitives, oberflächliches Wesen. Jeder guckt ins Impressum, wenn er einen 21, 22-jährigen am Telefon hört. Wenn da GmbH steht, ist das ein Signal: Hier ist ein richtiger Unternehmer. In Deutschland ist die GmbH so etwas wie ein Qualitätsstempel.
Sebastian hat sein Auto verpfändet, damit wir das Startkapital von 12.000 Euro hatten. Meine Mutter hat mir 6.000 Euro vom Sparkonto geliehen. So haben wir die GmbH gegründet.
Mein Rat: Gründet so schnell wie möglich eine GmbH, auch wenn ihr es euch noch nicht leisten könnt.
ERSTE MITARBEITER UND WACHSTUM
Vincent: Wir haben relativ schnell ein Büro in der Bayrischen Straße 30 angemietet, 80 Quadratmeter, 3 Zimmer, direkt am Kudamm. Damit konnten wir Kunden physisch empfangen, was damals noch super wichtig war.
Dann haben wir in den ersten Mitarbeiter investiert, der SEO richtig gut konnte. Der musste anfangs auch ans Telefon und Sekretariat spielen. Fabian Heyer kam etwas später, er ist jetzt unser ältester Mitarbeiter, rund 16 Jahre dabei. Fabian, wir lieben dich.
Gute Kunden im E-Commerce-Bereich kamen dazu, zum Beispiel Matratzen Discount. Wir haben sie auf Position 1 unter “Matratzen” optimiert. Über 100.000 Suchanfragen im Monat allein auf dieses eine Keyword. Sie haben 4.000 Euro im Monat gezahlt. Wir kannten ihre Umsätze und wussten, das war viel mehr wert.
E-COMMERCE-AUSFLUG: ONLINESHOPS UND DOMINIKANISCHE REPUBLIK
Vincent: Damals haben wir parallel einen Onlineshop für Shisha und Wasserpfeifen gegründet, weil wir die Chance sahen. Daraus wurde eine Multi-Shop-E-Commerce-Firma mit mehreren Nischen: Schwarzkümmelöl, Chlorella, Absinth. Wir waren auf Position 1 unter “Shisha”, hatten 10, 12, 20 Bestellungen am Tag.
Dann habe ich gesehen, dass bei Shisha-Tabak die beste Marge liegt. Ich bin in die Dominikanische Republik geflogen und habe dort ein Shisha-Tabak-Unternehmen gegründet. Dadurch habe ich sehr gutes Spanisch gelernt. Exit gemacht, mit dem Wissen von heute wäre der Exit geiler gewesen.
KRISE: ALLE MITARBEITER KÜNDIGEN
Vincent: Wir hatten um 2012 rund 8 Mitarbeitende. Ich war gerade in Diani Beach, Kenia, bei einem Luxushotel-Kunden. Afrika, Ebbe und Flut, Korallenfische. Dann gehe ich aus dem Wasser, checke meine Mails: Alle Mitarbeiter haben gekündigt. Einer nach dem anderen. Außer Fabian und Sebastian war das Büro leer.
Was waren die Learnings? Erstens: Pass auf, wie die Stimmung im Team ist. 2 rhetorisch dominante Mitarbeitende mit negativem Mindset hatten das ganze Team angesteckt. Faule Äpfel, Menschen mit negativem Mindset: zügig raus, lass sie gehen, sie stecken alles an.
Zweitens: Einfach weitermachen. Ich hatte danach viel bessere Mitarbeitende. Die schwache Arbeit der Gekündigten hatte ich nicht mal richtig gesehen. Wir wurden zu unserem Glück gezwungen.
ERSTE UMSATZ-MILLION UND PARTNERSCHAFTEN
Vincent: Unsere erste Umsatz-Million haben wir über unsere eigene Sichtbarkeit bei Google gemacht. Wir wurden gefunden unter “SEO Agentur Berlin”, “SEO Berlin”. Das zeigt: Konzentriert euch auf organisches Gefunden-Werden. Die Suchintention ist da, auch wenn der Wettbewerb mittlerweile schwieriger ist.
Was ich viel früher gemacht hätte: Gute Partnerschaften aufbauen. Wir haben damit vielleicht erst nach 6 oder 10 Jahren richtig angefangen. Einen Mitarbeiter früher einstellen, der gezielt potenzielle Partner anruft, mit denen es eine echte Win-win-Situation gibt.
Wenn du 20, 25 gute Partner im digitalen Umfeld hast, die täglich potenzielle Kunden für dich haben, ein Webdesigner, ein Programmierer, jemand aus dem Social-Media-Bereich, dann ist das extrem wertvoll. Der Kunde will einen Burger und bekommt ihn direkt. Keine lange Überzeugungsarbeit mehr, weil die Empfehlung auf Vertrauen basiert.
GIPFELSTARK IN DER SCHWEIZ
Ferdinand: Ihr habt vor rund 2 Jahren eine eigene Gesellschaft in der Schweiz gegründet. Was war die Entscheidung dahinter?
Vincent: Deutschland hat sich über ein Jahrzehnt auf den Reformen ausgeruht. Jetzt sind wir in einer Rezession, haben Inflation, schlechte Wirtschaftszahlen. Das höre ich von jedem: dem Handwerker, dem Anwalt, dem mittelständischen Unternehmer, dem Konzern-CEO.
Was war naheliegend? Wir haben tolle Schweizer Kunden. In der Schweiz wird Deutsch gesprochen. Der Franken ist stabil, das Land ist stabil. Also eine eigene Firma in der Schweiz gegründet, Gipfelstark. Nach anderthalb Jahren Blut, Schweiß und Tränen kann ich mir jetzt ein Gehalt in Schweizer Franken auszahlen, habe ein Schweizer Bankkonto und ein Schweizer Aktiendepot. Als Unternehmer und als Familienvater eine wichtige Absicherung.
Mein Rat: Macht zuerst eure erste Million Jahresumsatz, 100.000 Euro monatlich im Retainergeschäft. Dann könnt ihr den nächsten Schritt gehen, euch beteiligen, eine weitere Agentur gründen, was auch immer. Die Basis muss stimmen, bevor ihr zum Notar geht.
DIE ZUKUNFT: KLEINE TEAMS, KI UND A PLAYER
Vincent: Vor 2 Jahren hätten wir noch gesagt: Wachstum pur, großes Sales-Team, Masse, Masse. Dann kam KI und wird nicht mehr weggehen.
Meine Vision für seosupport: Ich will nur noch A Player. Ein A Player ist derjenige, der dir als Geschäftsführer sagt, was gemacht werden muss. Der denkt selbst mit, entscheidet selbst, geht voran. Eine Agentur mit 6, 7, 8 A Playern: Die wäre hammer profitabel. Jeder Mitarbeiter hätte ein geiles Gehalt, ich hätte weniger Stress und könnte mich auf die wichtigen Dinge konzentrieren.
Mit KI brauchst du keine Juniors mehr, die Reports verschicken. Kein technischer SEO-Mitarbeiter, der nur Audits macht. Das macht ein Agent. Das ist eine riesige Chance. Ein kleines Team an A Playern kann heute so viel erreichen wie früher ein Vielfaches.
Wir gründen gerade gemeinsam mit einem guten Partner, Shootout an TPW, Tobias, Deak und Eric, ein KI-Tool, mit dem man seine Sichtbarkeit in den Antworten der KIs tracken kann. GEO, also Generative Engine Optimization, ist das nächste große Thema.
WAS SIND 100 MILLIONEN HEUTE WERT?
Vincent: Mit 24, 25 habe ich gesagt: Ich will 100 Millionen. Heute interessiert mich die Zahl nicht mehr so. Der moderne Millionär hat nicht 1 Million an liquiden Assets, sondern eher 10 Millionen. Was ich wirklich will: 3 bis 4 Mal im Jahr mit einem Privatjet reisen. Wissen, dass ich mir 2, 3 Luxusautos kaufen könnte, aber vielleicht reicht mir einer. Frei sein. Wissen, dass es den Kindern meiner Kinder gut geht. Das ist mein Reichtum.
ABSCHLUSSWORT
Vincent: Seid mutig. Lebt eure Träume. Ihr habt nur dieses eine Leben. Gerade in Deutschland, in einem Sozialstaat: Was soll euch passieren? Im Worst Case fallt ihr auf die Fresse, steht wieder auf. Das ist immer noch mehr als 80 Prozent der Menschen auf der Welt haben. Geht ins Risiko. Werdet finanziell frei. Beschenkt eure Mütter, kümmert euch um eure Geschwister, werdet tolle Eltern. Einfach machen.
Und guckt jeden Tag in den Spiegel und sagt: Ich bin ein guter Mensch. Ich wachse, weil ich weitermache. Ferdinand: Danke dir für deine Zeit.
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Ende des Transkripts
Trust & Sell by Vincent Sünderhauf
Key-Learnings aus dem Talk
- Einfach machen schlägt perfekten Plan: Wer wartet, bis alles stimmt, wartet zu lange. Die GbR an der elterlichen Adresse war der Anfang von zwanzig Jahren Unternehmertum.
- GmbH so früh wie möglich: Der Mensch ist ein oberflächliches Wesen. Eine GmbH im Impressum verändert, wie man wahrgenommen wird, bevor man auch nur ein Wort gesagt hat.
- Krisen sind Beschleuniger: Als das gesamte Team kündigte, kamen bessere Mitarbeiter. Als KI die Branche veränderte, öffnete sich mit GEO ein neuer Markt.
- Netzwerk und Empfehlungen schlagen jeden Vertriebskanal: Wer früh gute Partnerschaften aufbaut, bekommt die besten Kunden, ohne sie überzeugen zu müssen.
- Reichtum ist Freiheit, nicht eine Zahl: Donnerstags um zehn Uhr mit der Tochter am See spazieren gehen zu können, ist das eigentliche Ziel.
Zwanzig Jahre ist eine lange Zeit im Digitalbusiness. Suchmaschinen haben sich verändert, Algorithmen wurden umgeschrieben, ganze Geschäftsmodelle sind entstanden und wieder verschwunden. Vincent Sünderhauf hat das alles nicht nur beobachtet, sondern mitgemacht, mitgebaut und manchmal auch überlebt. Heute interviewt ihn nicht ein externer Gast, sondern Ferdinand Hofmann, Head of Business Development bei seosupport, und dreht das gewohnte Format einmal um. Was bleibt nach zwanzig Jahren? Welche Learnings sind wirklich wichtig? Und warum ist ein Parkplatz am Flughafen Schönefeld Teil der Gründungsgeschichte einer der bekanntesten deutschen SEO-Agenturen?
Der Anfang: Wirtschaftswoche, ein Artikel und ein Freund
Es war ein Artikel in der Wirtschaftswoche. Trend: Suchmaschinenoptimierung in den USA. Vincent Sünderhauf las ihn während seines Abiturs, verstand die Tragweite und hatte zwei Wochen später eine klare Entscheidung getroffen: entweder Unternehmer werden oder Jura studieren und eine eigene Kanzlei aufbauen. Beides war von einem Gedanken getrieben: frei sein. Nicht im Hamsterrad landen. Selbst bestimmen, wann man aufsteht und wann man Feierabend macht.
Er rief seinen Schulkameraden Sebastian an, sie gründeten eine GbR an der Wohnanschrift von Sebastians Eltern, bezahlten hundert Euro für eine Website, ließen Visitenkarten drucken mit dem Titel Chief Executive Officer und liefen im Anzug durch Berlin. „Im Nachhinein, oh mein Gott”, sagt Sünderhauf lachend, aber der Punkt dahinter ist ernst: Wer jung und unbekannt ist, nutzt den ersten Eindruck als Kapital. Das kostet nichts außer dem eigenen Ego.
Der erste Kunde kam über eine Dampferfahrt der Uni Potsdam im ersten Semester. Ein Kommilitone stellte ihn seinem Vater vor, der Parkplätze am Flughafen Schönefeld vermietete. Einhundertsechzig Euro im Monat. „Liebe Grüße an Manfred Krüger.” Dieser erste Kunde blieb dreizehn Jahre. Aus einhundertsechzig Euro wurden irgendwann zweitausend Euro im Monat. Die Geschichte steht beispielhaft für das, was den Kern von seosupport bis heute ausmacht: Leistung bringt Bindung, und Bindung bringt alles andere.
Die GmbH, das Auto und die Mutter
Aus der GbR wurde eine GmbH, früher als es finanziell eigentlich Sinn ergab. Die Entscheidung war strategisch, nicht rational: Im deutschen Mittelstand entscheidet das Impressum, ob jemand zurückruft. „GmbH steht im Impressum und du bist Unternehmer. Alles darunter bist du es nicht richtig.” Das Startkapital kam zusammen, indem Sebastian sein Auto verpfändete und Vincents Mutter sechstausend Euro vom Sparkonto lieh. „Sie ist nicht auf Rosen gebettet.” Diese Sätze sitzen, weil sie zeigen, was Unternehmertum am Anfang wirklich bedeutet: andere nehmen das Risiko mit, weil sie an dich glauben.
Das Büro in der Bayrischen Straße dreißig am Kudamm kam früh, klein und bewusst. Achtzig Quadratmeter, drei Zimmer, Kunden empfangen können. „Klingelst bei der SEO Support GmbH, hast ein Büro in vernünftiger Lage. Punkt.” Wer früh eine physische Adresse hat, signalisiert Ernsthaftigkeit, bevor das erste Gespräch stattgefunden hat. Der erste Mitarbeiter war Alexander Schmidt, SEO-Freelancer, dann fest angestellt, musste auch ans Telefon und Sekretariat spielen. Kurz danach kam Fabian Heyer. Fabian ist noch heute da, nach rund sechzehn Jahren. Einer dieser seltenen Fälle, bei dem Mitarbeiterbindung nicht durch Verträge entsteht, sondern durch das, was eine Firma ausmacht.
Kenia, leeres Büro und die Lektion des Weitergehens
Irgendwann war das Team auf acht Personen gewachsen. Dann fuhr Vincent nach Kenia, an den Diani Beach, auf Anfrage eines Luxushotels. Ebbe und Flut, warme Luft, Fische im Wasser. Er geht aus dem Meer, checkt seine Mails. Sebastian schreibt: Alle Mitarbeiter haben gekündigt. Einer zuerst, dann der nächste, dann alle auf einmal. Bis auf Fabian und Sebastian.
Zwei Learnings, die er bis heute weitergibt. Erstens: Achte auf die Stimmung im Team. Zwei rhetorisch dominante Mitarbeitende mit negativem Mindset hatten das gesamte Team angesteckt. Faule Äpfel kosten mehr als ihr Gehalt. Zweitens: Einfach weitermachen. „Ich hatte danach viel geilere Mitarbeitende.” Was wie ein Absturz aussah, war ein Neustart. Die Reise hat er nicht abgebrochen, aber die Kokosnuss hat an diesem Tag nicht mehr so gut geschmeckt.
Shisha, Matratzen und die Dominikanische Republik
Parallel zur Agentur baute Sünderhauf mehrere E-Commerce-Unternehmen auf. Ein Onlineshop für Shisha-Zubehör, weil er erkannte, dass die SEO-Dienstleistung zwar gut bezahlt wurde, er aber die Umsätze seiner Kunden kannte und die eigene Marge anders sein konnte. Aus dem einen Shop wurden mehrere: Schwarzkümmelöl, Chlorella, Absinth. Unter dem Keyword Shisha auf Platz eins, zeitweise zwanzig Bestellungen am Tag. „War dann auch eine halbwegs erfolgreiche Geschichte. Exit gemacht, aber nicht der Exit, der mit dem Wissen von heute möglich gewesen wäre.”
Ein Agenturkunde, Matratzen Discount, zahlte damals viertausend Euro im Monat für Platz eins unter Matratzen, einem Keyword mit über hunderttausend monatlichen Suchanfragen. „Wir kannten die Umsätze.” Daraus entstand das Bewusstsein, dass Dienstleister und Unternehmer zwei grundlegend verschiedene Rollen sind, und dass der eigene Anspruch immer über reine Auftragserledigung hinausgehen muss.
Die Shisha-Reise führte am Ende bis in die Dominikanische Republik, wo Sünderhauf ein Tabakunternehmen mitgründete und dabei nebenbei fließend Spanisch lernte. Nicht alle Schiffe kommen an. Aber jedes davon lehrt etwas.
Gipfelstark und die Schweiz
Nach zwanzig Jahren gibt es ein neues Kapitel: Gipfelstark, eine eigenständige GmbH in der Schweiz. Der Grund dafür ist nicht steuerlicher Natur, sondern realpolitisch. Deutschland befindet sich nach einer langen Phase des Wohlstands in einer wirtschaftlichen Schwächephase. Unternehmen berichten unisono von Rezession, Bürokratie und mangelnder Wettbewerbsfähigkeit. Die Schweiz hat einen stabilen Franken, stabile Strukturen und zahlreiche Kunden, die deutschsprachige Expertise suchen. „Nach anderthalb Jahren Blut, Schweiß und Tränen kann ich mir jetzt ein Gehalt in Schweizer Franken auszahlen.”
Der Schritt steht für eine Grundhaltung, die sich durch das gesamte Gespräch zieht: Als Unternehmer muss man die Realität sehen, wie sie ist, nicht wie man sie gerne hätte, und dann handeln.
Sechs A-Player statt hundert Mitarbeiter
Die Vorstellung, eine Agentur mit hundert Mitarbeitern aufzubauen, hat sich über die Jahre verändert. Nicht weil der Ehrgeiz kleiner geworden wäre, sondern weil das Bild von Erfolg präziser geworden ist. Die Vision heute: sechs bis acht A-Player. Menschen, die nicht darauf warten, was ihnen gesagt wird, sondern dem Geschäftsführer erklären, was gemacht werden muss. Die mitdenken, vorangehen, entscheiden. „Wir würden hammerprofitabel sein. Jeder der Mitarbeiter hätte ein geiles Gehalt. Ich hätte weniger Stress.”
KI beschleunigt diesen Wandel. Reports, die früher Juniors verschickt haben, erstellt heute ein Agent. Technische SEO-Audits, die früher einen spezialisierten Mitarbeiter beschäftigt haben, werden heute automatisiert. Was bleibt, ist das, was keine Maschine ersetzt: Empathie, Urteilsvermögen, die Fähigkeit, Menschen zu lesen und zu verstehen, was sie wirklich brauchen.
Gleichzeitig öffnet sich mit Generative Engine Optimization, der Sichtbarkeit in den Antworten von KI-Systemen, ein neues Feld. seosupport entwickelt gemeinsam mit Partnern ein Tool, mit dem Unternehmen ihre Sichtbarkeit in KI-Suchen tracken können. Wer zwanzig Jahre dabei war, als SEO entstand, ist auch jetzt wieder früh dabei.
Reichtum als Freiheit
Am Ende des Gesprächs fragt Ferdinand Hofmann nach dem, was wirklich bleibt. Die Antwort ist klar: Reichtum ist keine Zahl. Es ist die Freiheit, donnerstags um zehn Uhr mit der Tochter am See spazieren zu gehen. Es ist zu wissen, dass man spontan verreisen kann, ohne auf einen Anruf vom Chef zu warten. Es ist gesunder Körper, gesunder Geist, ein ruhiges Gewissen beim Einschlafen.
„Seid mutig. Lebt eure Träume. Ihr habt nur dieses eine Leben.” Wer in Deutschland gescheitert ist, hat den Sozialstaat im Rücken. Wer sich nicht traut, zahlt einen Preis, den man nicht auf der Steuererklärung sieht: die Opportunitätskosten der ungenutzten Möglichkeiten. Never never never give up. Der Rest kommt danach.
Hinweis: Dieses Interview erschien im Podcast „Trust & Sell by Vincent Sünderhauf“.
Über Vincent Sünderhauf
Vincent Sünderhauf ist Gründer und Geschäftsführer der seosupport GmbH, einer der bekanntesten deutschen Agenturen für Suchmaschinenoptimierung, Online-Reputation und digitale Sichtbarkeit. Er gründete das Unternehmen 2006 während seines Abiturs gemeinsam mit Sebastian und baute es über zwanzig Jahre zu einer etablierten Agentur mit Standorten in Berlin und München sowie einer eigenständigen Gesellschaft in der Schweiz aus. Er ist achtfacher Buchautor, Forbes-Dozent und Gastgeber des Podcasts Trust & Sell.







































































































